LAURA – Wer mag wohl Laura sein? Hinter LAURA, zumindest das kann beantwortet werden, steht ein australisches Quintett, namentlich sind dies: Nathan Biggin (Piano, Synthesizer, Gitarre), Andrew Chalmers (Gitarre, Gesang), Carolyn Gannell (Cello), Andrew Yardley (Bass, Sampler) und Ben Yardley (Gitarre). 2001 in Melbourne gegründet, kann die Band auf drei Studioalben und eine Vielzahl von EPs zurückschauen. Zudem eröffneten sie live auch schon für BORIS, ISIS und MONO.
Mit “Twelve Hundred Times“ veröffentlichen sie nunmehr ihr neues Album, diesmal ohne Label im Rücken, was neben finanziellen Risiken ja auch immer einen großen Raum an Freiheit bietet. Doch wer nicht wagt, der nicht gewinnt und bereits das Auftaktstück “Visitor” verdeutlicht, dass LAURA ohne lange Aufwärmphase locker aufspielen. Gitarre, Cello und Bass bilden einen wilden Reigen, hinzu addiert sich ein mehrstimmiger Gesang, der eher lautmalerischen Charakter trägt und die verzaubernde Wirkung beim Hören zu verstärken weiß. Ohne große Umschweife ertönen kraftvolle Gitarren in den Übergang zu “This Grey Earth“. Knackige Gitarrensequenzen und dichte Cellowände verleihen dem Stück etwas Hymnisches. Zwischen dieserlei Songs platzieren LAURA immer wieder geschickt kurzweilige Instrumentalstücke, kleine und gefräßige Lärmmonster, die sich aus überbordendem Gitarren- und Cellokrach sowie diversen Samples sättigen. Trotz solcher Noiseausflüge demonstriert das Quintett auf “Twelve Hundred Times“ seine Liebe zu sich ins Gehör festsetzenden Melodien. “Stone Seed“ kann als Meisterstück all dessen verstanden werden – zurückgedrehte Gitarren, getragene und warme Celloarrangements, ein allenfalls angetupftes Drum und ein leiser sowie introvertierter Gesang schlagen zielsicher den Weg gen Ohrwurm ein. Dazwischen kleinere Zäsuren, um zu sammeln und die Spannung weiter zu erhöhen. Kaum ist das Stück verklungen, greifen LAURA mit “The Slow“ und “New Safe Confinement“ noch mal von einer krachenden Seite an. Mit treibendem Schlagzeug, heulenden Gitarren, tief-polterndem Bass und sägendem Cello läuten sie den Schlussteil dieser Veröffentlichung ein. Gewitternd reißt das Finale die Aufmerksamkeit an sich, urplötzlich endet der Durchlauf.
Post-Rockiges ohne Post-Rock zu sein, Indie-Popiges, ohne wehleidiges Verschlumpfen. Erhabenheit ohne Anstrengung. Hervorragendes Handwerk ohne Selbstgefälligkeit. “Synthesis“ lautet die Formel und sie löst sich in keiner Minute des Durchlaufs in Formelhaftigkeit auf. Zusammenfügung fordert immer Anstrengung. Es gibt keine Garantie fürs Gelingen. “Twelve Hundred Times“ kann jedoch als durchweg gelungen bezeichnet werden.
Offen bleibt letztlich nur eine Frage: Wer mag wohl Laura sein – wer weiß, aber numinos muss sie sein. (D.L.)
Format: CD |
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