VELVET TWO STRIPES – Supernatural (EP)

Erdig, dreckig, heavy, stoned und psychedelisch – so kann Rockmusik klingen, wenn drei junge Schweizer Damen namens Franca, Sophie und Sara (zwei davon Schwestern) sich zum Trio zusammenschließen, um ihre Version des harten Sixties-Rock in Szene zu setzen. Und wirklich: Der Stil der VELVET TWO STRIPES ist entscheidend geprägt von den blueslastigeren Hardrock-Bands der sechziger Jahre, die auf “Supernatural“ dann auch mehr als überzeugend zitiert werden. Sollten sich die ROLLING STONES in einigen Jahrzehnten doch noch überraschend zur Ruhe setzen, hätten sie mit der Existenz dieser jungen Ausnahme-Gruppe endlich ein überzeugendes Argument für die Abfassung ihres Übergabeprotokolls. Wurde übrigens Zeit, dass sich endlich eine Band mit weiblicher Besetzung dieses traditionell männerdominierten Genres annimmt und den grauen Herren zeigt, for whom the bell tolls!

Franca, Sophie und Sara haben jedenfalls alles drauf, was ihre mittlerweile in die Jahre gekommenen Vorbilder vergangener Dekaden auszeichnete: Satte Stromgitarren-Riffs, ausführliche Soli, mehrstimmigen Gesang, knackiges Songwriting und offenbar eine gehörige Portion Rock-Attitüde. Aber nicht nur die Musik von LED ZEPPLIN, BLACK SABBATH und Kollegen, auch P.J. HARVEYs frühe, ruppige Phase lässt sich als Einfluss des versierten Trios heraushören. Der absichtlich übersteuerte Gesang des Stücks “Cloud Seven“ erinnert dann zur Abwechslung an die STROKES.

Man kann sich gut vorstellen, wie dieser Mix auf der Bühne eines spätsommerlichen Festivals ordentlich abgeht und die bierselige Menge aufmischt. Damit dürfte allen geholfen sein: Die kopfwippenden Teenager bekommen eine unterhaltsame Nachhilfestunde im Wahlpflichtfach Rockgeschichte, während vom Rand des Festivalgeländes heimlich zuschauende Eltern sich in bessere musikalische Zeiten zurückversetzt fühlen dürfen.

So machen die VELVET TWO STRIPES eigentlich für jeden alles richtig, bis auf eines: Diese tolle erste EP ist einfach viel zu kurz! Hat man sich mal in den musikalischen Kosmos der Band eingehört, will man mehr bratzende Gitarren, mehr coolen Frauengesang, mehr lässigen Stoner-Blues-Rock, und schon laufen die fünf Tracks von “Supernatural“ auf Repeat. Also bitte keine zu lange Pause einlegen, Mädels – wir warten schon auf das erste Album!

(M.Reitzenstein)

Format: EP
Vertrieb: SNOWHITE
 

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