SAFFRONKEIRA – A New Life

Elektronik, akustische Instrumente, Fieldrecordings, Nachbearbeitung durch Effekte und ganz besonders die glückliche Hand beim Mix all dieser Zutaten zu Soundtrips zwischen Alptraum, Zwielicht und Mahlstrom (…sowie leiser Hoffnung). Saffronkeira ist ein ein-Mann-Projekt aus Italien, genauer Sardinien. Nach einer ersten 10“ auf Denovali legt er mit „A New Life“, aufgeteilt in die Hälften „Old Life“ und „New Life“ nun seinen insgesamt vierten Release als so etwas wie ein Konzeptalbum vor.

Eines der zentralen Elemente auf der ersten Hälfte ist der Kontrast zwischen den dunklen und atmosphärischen Soundcollagen und einer sehr pointierten und gleichermaßen abstrahierten Rhythmik; treibend ohne zu hetzen, manchmal mehr bewegte Textur als Rhythmus. Dabei immer in einem nahezu „wissenschaftlich aufbereiteten“ Sound; Rhythmus wie aus dem Labor. Der Vergleich zu Carsten Nicolai aka Alva Noto und seinen Arbeiten auf dem Raster-Noton Label ist da durchaus berechtigt und ein wenig Nachforschen auf der Webseite von Saffronkeira zeigt, dass dieser diesen Einfluss auch durchaus freimütig nennt (neben einer Fülle anderer, quer aus allen Bereichen experimentellerer Musik). Während bei Alva Noto dieser jedoch fast immer nahezu allein steht, ist es gerade die Verbindung, dieses manchmal fast abgestoppt / funky Rhythmus mit den dunkel / warmen Atmosphärensounds, die den besonderen Reiz von Saffronkeira ausmacht. Dazwischen Stücke wie „8th Month“, in denen der Rhythmus auf ein oszillierendes Pulsen zurückgefahren wird und im Verlauf des Stücks von einer (elektronisch erzeugten?) Ensemblemelodie mit der Ästhetik einer Bläsergruppe fast gänzlich überfahren wird. Der Abschluss von „Old Life“ reicht dann bis ins orchesterhaft / soundtrackige, wahrhaftig wie die End-Titles eines bisher noch ungesehenen Films. „New Life“ greift das Rhythmuselement zunächst auf, überlässt ihm innerhalb der Stücke aber von Anfang an eine etwas weniger dominante Rolle, möglicherweise nur in der Lautstärke der Abmischung und erst im direkten Vergleich wirklich so zu identifizieren. Dafür führt bereits das zweite Stück der „New Life“ Hälfte, „First Denti“ ein Pianothema ein, dass sich im weiteren festsetzt und auch später, in Mutationen, wieder auftauchen wird. Auch in Form einer Gitarrenadaption (#4, „190305“). Den härtesten Break (ohne Bruch zu sein) stellt #3, „Psychologically Destroying“ mit dem Focus auf Fieldrecordings und hypnotische Geräuschelemente dar.

Der Abschluss von dem Kapitel „New Life“ setzt auch auf Stimmen, chorartig harmonisch, aber trotz dem „neuen Leben“ mit melancholischen Grundcharakter; der Film (oder besser: die Leben, die) den Saffronkeira mit dieser Veröffentlichung vertont hat, scheint nicht ohne Schicksalsschläge zu sein; so wie der Abschluss, ganz am Ende, mit seiner im Hall verlorenen Perkussion…

(N)

 

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