A DEAD FOREST INDEX – Antique (CD/10")

Unzeitgemäßes präsentieren uns die in Melbourne ansässigen Brüder Adam und Sam Sherry auf der ersten minimalistischen EP ihres Bandprojekts A DEAD FOREST INDEX. Auf den fünf Tracks von „Antique“ (nomen est omen?) kommt so einiges zusammen, das man historisch mit der düsteren Schattenseite der Achtzigerjahre-Popkultur verbindet: Tribalistische Trommeln, fahle Gesangsstimmen, akustische und elektronische Gitarrenklänge und – der „Janitor of Lunacy“ lässt schön grüßen – etwas, das verdächtig nach Nicos Harmonium klingt. Das führt, wenn schon nicht auf Holzwege, doch auf so manchen viel beschrittenen Trampelpfad: Bevor man auch nur den toten Wald vor lauter Bäumen sieht, macht erst mal vorwitzig der Index sich bemerkbar, in diesem Fall aber nicht der Forest-, sondern der Gothic-Index. Forest Enter Exit: Kaum drin im Wald, rauscht auf einmal laut trommelnd Siouxsee mit sämtlichen Banshees durch unsere Gehörgänge, gleich gefolgt von den noch jungen SISTERS OF MERCY und den frühen DEAD CAN DANCE. Und die weißgesichtige Gestalt mit der Gitarre ganz hinten, die man in all dem VIP-Trubel fast übersieht; ist das nicht Robert Smith von THE CURE? Tatsächlich! Hallo auch, alle zusammen, schön, euch mal wieder zu begegnen – aber hier und heute?

Eines muss man A DEAD FOREST INDEX schon lassen: Sie können singen und beherrschen offenbar tatsächlich all die vielen Instrumente, die im Verlauf der fünf Stücke durch die vier bandinternen Hände wandern. Es steckt musikalisches Können und Potential in dem Duo. Abgesehen davon scheinen die Brüder genau zu wissen, was sie machen wollen, nämlich: düsteren Prä-Synthie-Goth (au ja, mit viel Nebel!). Das kriegen die dann auch hin, absolut und hundertprozentig. So gut, dass man sich fragt, ob das noch spielerisches Zitat ist oder leider doch schon totale Mimikry, bei der man nicht mehr erkennt, wer sich eigentlich hinter dieser perfekten Tarnung versteckt.

Uneingeschränkt zu empfehlen ist A DEAD FOREST INDEX´ erste EP insofern auf jeden Fall für hartgesottene Nostalgiker und puristische Anhänger der genannten Dark Wave-Bands. Zwischen flackernden Kerzen und Patschuli-Düften eignet die Platte sich vorzüglich, die Glanzzeit des Goth zum untoten Leben wiederzuerwecken, und so verstehe ich diese EP ganz ironiefrei: als Special Interest-Musik, die als solche wunderbar funktioniert und auch nichts anderes sein will. Aber mit etwas Abstand und ohne dunkle Sonnenbrille betrachtet, fehlt in den Songs der Brüder Sherry für den Querbeet-Musikhörer doch ein wenig der eigene Ansatz – oder zumindest die wie auch immer geartete Weiterentwicklung des in Mutters Nachlass Vorgefundenen. Klar, Tote können tanzen, das nächste Mal aber bitte auch ein bisschen an die Lebenden denken!

(M.Reitzenstein)

Format: CD/10"
Vertrieb: DENOVALI/CARGO
Mailorder: Going Underground
 

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