ANGEL WITCH – As Above, So Below (CD)

Nach den üblichen Platten von ABBA und den BEATLES war das im Jahr 1981 veröffentlichte Debütalbum Angel Witch der gleichnamigen englischen Band um den Sänger und Gitarristen Kevin Heybourne eine meiner ersten Schallplatten. Sie belegte wochenlang die Stereoanlage, und die Songs über Hexen, Atlantis, Zauberer oder Todesengel korrespondierten prächtig mit meiner damaligen Lieblingslektüre, der Heftromanserie Geisterjäger John SinclairAngel Witch wurde zu einem Meilenstein innerhalb der New Wave Of British Heavy Metal (kurz NWOBHM) und setzte für das Genre neue Maßstäbe. Aber der überraschende Erfolg erwies sich für die Band als zu große Hypothek und ihre weitere Geschichte verlief wechselhaft, wobei unter dem Strich mehr Tiefen als Höhen zu verzeichnen sind. 1985 und 1986 erschienen mit Srceamin‘ N Bleeding und Frontal Assault weitere Alben, die mit ihrer Orientierung an seinerzeit schicken Strömungen des Metal aber nicht annähernd die Qualität der Debüt-LP erreichten und zurecht rasch in Vergessenheit gerieten. Es gab ungezählte Umbesetzungen und nur der kreative Kopf Kevin Heybourne blieb die einzige personelle Konstante. Zeitweilig löste Heyboune ANGEL WITCH sogar ganz auf. Auch sporadische Minitourneen und Auftritte bei Festivals vermochten es nicht, ANGEL WITCH als eine feste Größe im Heavy-Metal-Zirkus zu etablieren.

Um so größer die Überraschung, als im März 2012 mit As Above, So Below der erste Longplayer der Band seit 26 Jahren erschien. Bereits die Covergestaltung macht deutlich, dass Heybourne mit dem neuen Album direkt an das 81er-Debüt anknüpfen will: so wurden für beide Alben Gemälde des englischen Romantikmalers John Martin verwendet, womit es ANGEL WITCH schaffen, sich gestalterisch deutlich vom üblichen Artwork des Heavy Metal abzuheben. Musikalisch knüpft As Above, So Below nahtlos an den alten NWOBHB-Sound der frühen achtziger Jahre an, ohne dabei altbacken zu klingen: dies gelingt zum einen durch die Rückkehr zur klassischen Dreierbesetzung, die aktuell neben Heybourne aus Andrew Prestidge am Schlagzeug und Will Palmer am Bass besteht. Zum anderen finden sich mit Dead Sea Scrolls, Witching Hour und Guiolltine Titel, die bereits an die 30 Jahre alt sind und so für eine gewisse Kontinuität stehen. Die verhexend-schöne Melodieführung des Refrains von Witching Hour gehört zu den Höhepunkten des Albums. Puristen mögen es als eine Mogelpackung ansehen, wenn jahrzehntealte Nummern als neues Material verkauft werden, aber manche Songs benötigen einfach eine gewisse Zeit, bis für sie das passende Arrangement gefunden ist. Aber auch die weiteren Titel des Albums können überzeugen, wobei insbesondere das epische The Horla, herausragt, das als Ballade beginnt und als kraftvolle Rockhymne endet. Tragende Elemente sind dabei vor allem die Stimme Heybournes und sein charakteristisches Gitarrenspiel.

Auch wenn As Above, So Below im direkten Vergleich nicht ganz die Klasse des Debütalbums erreicht, so gelingt ANGEL WITCH damit doch ein  bemerkenswertes Comeback, das mehr auslöst als nur nostalgische Gefühle. Bleibt zu hoffen, dass der neue Abschnitt in der Geschichte der Band von längerer Dauer ist und eine Ära künstlerischer Beständigkeit einläutet.

(M.Boss)

Format: CD
Vertrieb: RISE ABOVE RECORDS
 

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