OLD MAN GLOOM – NO (CD/2LP)

Acht Jahre sind vergangen, seit OLD MAN GLOOM, die “supergroup“ um Aaron Turner (Gitarre, Gesang), Santos Montano (Schlagzeug), Caleb Scofield (Bass-Gitarre, Gesang), Nate Newton (Gitarre, Gesang) und Luke Scarola (Electronics) ihr letztes Album herausbrachten. Das Besondere an OLD MAN GLOOM war schon immer die Mischung aus Sludge-, Metalcore- und Noise-Elementen, mit der die Band ihr eigenes musikalisches Feld bestellte. Das neue Album “NO“ gedeiht dann auch auf eben jenem Feld. Die Maximen bleiben: Nein zum Definitionsballast! Nein zur Vorhersehbarkeit! Nein zum schon einmal so Gehörten!

Der Auftakt “Grand Inversion“ basiert auf einem Drone, der von einem Noiseschwall umhüllt wird und die Ohren des Hörers freipustet, um so die Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was da wohl gleich kommen mag. Nachdem sich ein noisiges Rauschen bei Track 2 “Common Species“ tief in die Gehörgänge gedreht hat, ist die Zeit des Aufwärmens vorbei. Krachende Gitarren, ein tiefer Bass, ein treibendes Schlagzeug und der kraftvolle Gesang Aaron Turner`s  verdeutlichen, dass die Band jetzt ernst macht. Jedoch bleibt dem Hörer keine Zeit dem nachzusinnen, denn bereits das nächste Stück “Regain/ Rejoin“ demonstriert wie einem zweieinhalb Minuten lang die Luft abgeschnürt werden kann, so druckvoll presst es in den Sessel und springt zudem den Hörer an, packt ihn und umwickelt ihn gleich einer Schlingpflanze. OLD MAN GLOOM stürmen indes weiter. Sie fangen, greifen und überwältigen den Hörer. Feststeht, dass die Band den Hörer nicht mehr herausrücken wird. Das folgende Stück “To Carry The Flame“  kommt gänzlich ohne Vorlauf aus. Aaron Turner schreit sich im wahrsten Sinne die Seele aus dem Leib und wirft so seinen Bann. Widerrede gibt es nicht! Widerstand zwecklos! Auch “The Forking Path“ lässt den Hörer nicht los.

Bereits nach der Hälfte des Albums ist auffällig, welch` Händchen OLD MAN GLOOM für fesselnde Melodien haben. Deutlich wird dies auch bei “Shadowed Hand“ durch den beschwörenden Gesang, der über dem Gesamtklang aus Noisegezwitscher, Growling, Schlagzeug, Gitarren und Bass schwebt, jedoch nur um im nächsten Moment blitzschnell auf den Hörer herabzustoßen und diesen nach dem bereits bekannten Modus einzuspinnen. Mit “Rats“ wird nochmals eine wahre Lärmorgie kreiert, bevor “Crescent“ ertönt. Unheilvolle Geräusche türmen sich auf, doch plötzlich schlägt das Stück einen Haken, denn eine Akustikgitarre setzt ein und ein lässig vorgetragener Gesang beginnt scheinbar beiläufig einen Dialog mit ihr. Während des Vortrags scheint im Hintergrund die Welt unterzugehen – es kracht und scherbelt – doch dies stört den Akustikgitarren-Gesangs-Dialog mitnichten, vielmehr “plaudern“ beide ungerührt weiter. Ein leiser, aber ebenso intensiver Augenblick des Albums. Den Abschluss des Ganzen bildet “Shuddering Earth“. Ein Stück, bei dem über 14 Minuten noch mal alles in die Waagschale geworfen, was OLD MAN GLOOM zu bieten haben: Growling, hymnischer Gesang, krachende Gitarren, tiefe Bässe, donnerndes Schlagzeugspiel, Noiseelemente – Ideen, die mit einer Leichtigkeit zu einer Einheit zusammengefügt werden, der man nicht häufig begegnet.

Im labeleigenen Promoanschreiben steht folgendes: “Old Man Gloom is a supergroup (containing members of Converge, ISIS, Cave In, Zozobra, Doomriders, Mamiffer, etc.) but instead of making shitty records like other “supergroups“, Old Man Gloom actually makes great ones” – dieser Satz führt bei der Rezensentin nicht nur zu einem amüsierten Lächeln, sondern vor allem zu einem zustimmenden. (D.L.)

Format: CD/2LP
Vertrieb: HYDRA HEAD RECORDS
 

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