O. CHILDREN – Apnea (CD)

Bevor ich nun das neue Album der Post Punks oder auch Dark Wave Rocker O. CHILDREN vorstelle, muss eine kurze Geschichte zur Entstehung der neuen Platte erzählt werden. Als im Jahr 2010 die Reaktionen auf das Debütalbum von O. CHILDREN überwiegend positiv waren, malte sich die vier Mann starke Band um Frontmann Tobi eine rosige Zukunft aus.

Nach einer Party fuhr die Gruppe mit dem Zug nach Hause, allerdings ohne gültige Fahrausweise. Bei der Kontrolle stellte sich dann heraus, dass Tobi – der seit dem siebten Lebensjahr in England lebt – ein abgelaufenes Visum hatte. Es wurde dann ein langer Prozess, in dem Tobi nach Nigeria abgeschoben werden sollte. Durch die ganze Aufregung und den physischen sowie psychischen Stress litt Tobi an Depressionen, die u.a. auch Atemstillstand während der Schlafphase beinhalteten, der Fachbegriff für diese Krankheit nennt sich „Apnea“ – eben der Titel des neuen Albums. Zum Glück für die Band und uns geneigte Hörer wurde aber doch noch alles gut. Die neuen Aufnahmen von O. CHILDREN – die ihren Bandnamen übrigens einem Nick Cave Cave- Song entnommen haben, gehen diesmal nicht unbedingt in Richtung Post Punk, sondern tendenziell eher in Richtung angepoppten, minimalistisch produzierten Goth Rock mit Noise- und Shoegaze-Elementen.  Zudem wird das Ganze schön schwer und erträglich düster gehalten. Tolle atmosphärische Darkperlen wechseln sich mit Wave Rock-Songs ab, die CD klingt aber nie depressiv, was man nach den geschilderten Erlebnissen von Frontmann Tobi fast erwartet hätte. Die teilweise sehnsuchtsvollen, mit melancholischen Tiefgang behafteten Tracks werden von Tobi mit einem außergewöhnlich warmen Bariton intoniert, die Magie dieser Stimme ist einfach faszinierend und prägt die Songs als eigenständiges, herausstechendes Merkmal der Gruppe.

Beim Song „Oceanside“ schimmern gar Singer-Songwriter-Qualitäten durch, bei „Yours For You“ wird der Rhythmus angezogen und „PT Cruiser“  schleicht lässig aus den Boxen, „Red Like Fire“ stellt dann den Track zum „Fallen lassen“ dar, einfach hymnisch. Wie gesagt, das sonore Organ von Sänger Tobi überstrahlt einfach alles und erinnert vielleicht sogar ab und zu ein klein wenig an Ian Curtis. In meinen Augen haben sich O. CHLDREN unglaublich weiterentwickelt, sie erinnern mich nach  mehrmaligem Hören der Platte immer mehr an die „großen dunklen“ Gruppen der 80er Jahre. Von daher sollte es für alle Anhänger von DRAGONS,  THE SOUND, THE SISTERS OF MERCY, BAUHAUS  oder JOY DIVISION, THE MISSION, INTERPOL, AND ALSO THE TREES und ECHO AND THE BUNNYMEN etc eigentlich ein Muss sein, diese Platte zu besitzen. Ich bin mal auf die Tour der „Fab Four“ gespannt.

(S.Ericksen)

Format: CD
Vertrieb: DEADLY PEOPLE/ROUGH TRADE
 

Stichworte:
, , , , , ,