Es ist immer wieder bewundernswert, wie viele kleine Labels aus aller Welt sich wieder dem Medium “Kassette“ verschrieben haben, um der Hörerschaft mit Schmuckstücken den musikalischen Alltag zu veredeln. So hat vermutlich auch der in Oakland lebende Cameron Shafii empfunden, der seit einigen Jahren sein Label Merz Tapes betreibt und in regelmäßigen Abständen Veröffentlichungen in Kleinstauflagen herausbringt.
FERMENTÆ haben mit “Glossolalia“ die neuste Perle auf die Merz Tapes-Kette gefädelt. Weitere Perlen werden folgen. Hinter FERMENTÆ steckt kein Geringerer als Kevin Gan Yuen, der vor allem durch seine Mitgliedschaft bei SUTEKH HEXEN bekannt sein dürfte – jenem Trio, welches mit einer ganz eigenen Mischung aus Noise und Black Metal über die Grenzen von Kalifornien hinaus, die Hörerherzen kräftig bewegt hat. Daneben widmet sich Kevin Gan Yuen der Cover-Gestaltung für Veröffentlichungen befreundeter Projekte, so unter anderem auch für die hier schon zu Wort gekommenen GATES, deren Frontmann Bryan W Bray für “Glossolalia“ im Gegenzug das Mastering übernahm. Die drei Stücke wirken auf den ersten Blick anheimelnder und einschmeichelnder als es bei SUTEKH HEXEN der Fall ist. Saiteninstrumente werden gezupft und mit Glöckchensounds angereichert. Dazu scheint man einer Quelle zu lauschen, aus der fröhlich das Wasser nur so heraussprudelt. Alles friedlich – alles wunderbar? Wohl kaum! Je mehr man als Hörer sich auf die vordergründigen Sounds einlässt, umso deutlicher wird das Gefühl, dass hier nicht alles so ist, wie es scheint. Sind da nicht unterschwellig verzerrte Stimmsequenzen zu hören, die gemeinsam mit unheimlichen Drones etwas Bedrohliches heraufbeschwören? Womöglich und gerade darin liegt die große Kunst dieser Veröffentlichung. Kevin Gan Yuen ist keiner, der mit dem großen Wegweiser wedelnd durch die Lande zieht. Subtilität grummelt als leises Credo, Getupftes und Angedeutetes schimmert matt im See des Untergründigen.
Das Tape auf Autoreverse – diese Schleifenfunktion vollendet sich bei “Glossolalia“, jenem Zungengebet, das neutestamentarisch eine Gnadengabe des Heiligen Geistes ist und sich somit auch pfingstmotivisch wunderbar fügt. Diese Unmittelbarkeit, die eigentlich der Gebetsform zu Eigen ist, raunt aus jedem Ton – Musik als der Ort des Göttlichen. (D.L.)
Format: C30 |
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