I LIKE TRAINS – The Shallows (CD)

I LIKE TRAINS bescheren uns ihr drittes Album (die frühe EP außen vor gelassen). Zelebrierte man auf dem ersten Longplayer “Elegies To Lessons Learnt“ noch intensivsten Düster-Postrock, der vor allem durch seine Leise-Laut-Dynamiken glänzte und zu einem meiner meistgehörten Herbst/Winter-Platten wurde, so verabschiedete man sich bereits beim Nachfolger “He Who Saw The Deep“ von jenem Schemata, lockerte den voreinst dunklen Grundton auf, akzentuierte diesen mit vielerlei lockeren Midtempoparts und suchte sein Heil in helleren Farbtönen.

Persönlich stand ich diesem Wechsel eher skeptisch gegenüber, hatte man sich doch mit “Elegies To Lessons Learnt“ eine völlig eigene Nische erschaffen, die aufgrund des sonoren Gesangs „meets postrockigen sphärisch, noisigen wall of sound“ ein kleines Denkmal hinterließ. Die Abkehr vom Totengräbersound findet nun mit “The Shallows“ seine Fortsetzung. I LIKE TRAINS fließen hier komplett über Albumlänge in seichteren, Indiepop-lastigeren Kontext. Das bedeutet jedoch in keiner Weise die Abkehr von düsteren Grundthemen – beschäftigen sich I LIKE TRAINS auf “The Shallows“ mit dem beängstigenden Einfluss moderner Technologien, welchem wir uns im rasenden Tempo unterwerfen, dem täglichen Überfluss an Informationen und wie diese Mechanismen unsere Art im Umgang miteinander und in der Art ändern, wie wir denken und Wissen speichern. Dieser thematische Fokus sollte sich laut Band auch im elektronischer orientierten Sound widerspiegeln, deshalb hat man sich einmal mehr mit dem Produzenten Richard Formby eingelassen und liegt somit gefühlt näher am Puls der Zeit, was aktuelle Indiepop-Produktionen betrifft.

Nach einigen Anläufen muss ich die oben angesprochenen Enttäuschung revidieren, wächst diese Platte doch zu einem Kleinod an, das hypnotisierend wirkt und das mag seltsamerweise an der fast durchgehenden driftenden Midtempolastigkeit liegen, die aber jedem Song ein Gesicht verleiht, da viele kleine Details in der Melodie und vor allem in der wieder mal sehr akzentuierten, melancholischen Gitarrenarbeit einen dicken Nachhall erzeugen. Die im ersten Moment unaufdringliche, unaufgeregte Art des Gesangs von David Martin, der stoisch minimalistische Rhythmus, welcher an den Geist des Post Punks erinnert sowie warme shoegazer-echolastige Gitarrenpickings formen ein melancholisches driftendes Gebräu, das an THE NATIONAL u.ä. Indievertreter erinnert. Perfekt zum Sinnieren in fahrenden Zügen oder zum Verschmelzen an grauen Tagen geeignet. Immer wieder versuchen die Gitarren postrockig aufbäumend durchzudringen, nur um sich dann wieder im elektronisch, zurückgenommenen Sound einzureihen.

Da wirken alle Puzzleteile richtig gelegt, der manchmal sprechgesangartige Vortrag erzählt uns mahnende nachdenkliche Geschichten, wavige glockenartige Gitarren laden zum Fallenlassen ein. Songs wie “Mnemosyne“, “Reykjavik“ oder der Titeltrack, welche die oben genannte hypnotische Monotonie am besten vermitteln, schälen sich aus dem Gesamtwerk  heraus. Man muss dieser Platte etwas Zeit geben und sich mit ihren Details arrangieren, dann entwickelt jeder Song einen unwiderstehlichen Sog, der jedem Fan zwischen 80er Wave, Post Punk und modernen Indie-Alternative Postrock glücklich oder eben traurig machen könnte! I LIKE TRAINS machen Musik für die blaue Stunde, wenn der Tag sich verabschiedet, der Gedankenfluss in manchmal eigenwillige Richtungen strömt und man andere Ebenen streift…

(R.Bärs)

Format: CD
Vertrieb: ILR/CARGO
 

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