THE PIRATE SHIP QUINTET – Rope For No-Hopers (CD/2LP)

Kaum ein Stück kann „fauler Sonntagnachmittag im Sommer“ musikalisch besser illustrieren, als die zweite Hälfte von „Doldrums“ auf „Rope For No-Hopers“, der neuen Veröffentlichung des The Pirate Ship Quintet. Oder es ist, bei dem Namen, eher die Illustration eines ebensolchen Tags auf hoher See bei weitgehender Flaute. Und das, obwohl das Stück vorher durchaus Fahrt aufgenommen hatte. Der warme organische Sound, der das Stück wie die gesamte Veröffentlichung durchzieht, die Harmonien und die Verschachtelung der Gitarren – dazu die träge, wehmütige Streichermelodie, die gegen Ende allein steht. All das lässt diese sehr runde Veröffentlichung (nicht geometrisch gemeint) einfach perfekt enden.

The Pirate Ship Quintet arbeiten weitgehend instrumental, haben aber ein Cello an Bord, das durch seine von den Gitarren- und Bassläufen abgesetzten Bögen fast die Rolle eines „instrumentalen Gesangs“ übernimmt. Dazu kommt eine einsame Trompete, die meist mit den Gitarren verschmilzt; meist, wenn diese einen ihrer seltenen Ausbrüche wagen. An wenigen Stellen aber auch ein dem (Post-)Hardcore entliehener Gesang, eingebettet in die Instrumente, mehr ein weiteres Mittel, um die Stimmung der Stücke zu variieren als Wunsch nach direkter Ansprache. Und immer wieder dieses Herumhängen, Abwarten und der langsame Aufbau. Diese Haltung, die irgendwie durch eine tiefe Ruhe in sich selbst gespeist scheint, prägt auch die vier „Doldrums“ vorausgehenden Stücke. Mit pausenartigen Breaks, die sich nicht scheuen, auch mal eines der Instrumente ganz frei zu stellen.

All das oben genannte haben möglicherweise andere Acts (sag Isis, sag Fall Of Efrafra) in vergleichbarer Form schon entwickelt. Was The Pirate Ship Quintet tatsächlich absetzt, ist diese Einfachheit in allem, die sogar eigentlich das zentral bereichernde Merkmal von „Rope For No-Hopers“ darstellt: kein aufgepumpter Sound, keine Gimmicks; ein organischer Gesamtsound; man glaubt sofort, dass die Band die Stücke exakt so auch live wiederholen könnte. Dazu kommt ein Songwriting, das versucht, auch die Stimmung, die Atmosphäre mit tendenziell einfacheren musikalischen Mitteln auszudrücken. Ich muss z.B. lange nachdenken, um mich an eine Band zu erinnern, die so selbstverständlich Akkorde über die längere Strecke einfach nur ausklingen lässt, wenn es denn dem Stück nützt. Diese Haltung, diese Motive werden im Laufe von „Rope For No-Hopers“ immer wieder aufgegriffen und variiert; die gesamte Veröffentlichung klingt damit noch in sich geschlossener, als sie es aufgrund der durchgehenden Soundästhetik ohnehin schon tut.

Ein perfektes Beispiel für Mannschaftsspiel oder die Summe, die mehr ist als ihre einzelnen Teile – sehr empfohlen mindestens für alle, die mit dieser Art von aus Post-Post Hardcore entwickelten Post-Rock etwas anfangen können. es lohnt sich.

(N)

Format: CD/2LP
Vertrieb: DENOVALI/CARGO
Mailorder: Going Underground
 

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