BROTHER SUN/ SISTER MOON – Brother Sun, Sister Moon (CD/LP)

Alicia Merz mit ihrer dritten Kollaboration: Nach „Dear And Unfamiliar“ mit Leonardo Rosado und der „Highwaymen In Midnight Masks“ 10“ mit Aidan Baker hier unter dem Projektnamen Brother Sun/ Sister Moon zusammen mit Gareth Munday.

Um es gleich zu sagen: Brother Sun/ Sister Moon machen es uns nicht leicht, alles andere als das. Möglicherweise sogar besonders für die, die Alicia Merz‘ Solowerk (als Birds Of Passage) kennen und schätzen: dessen Homogenität, die weit über den mittlerweile bekannten Trademark-Gesangsstil und -sound hinausgeht, ist hier nicht zu finden. Einzelne Klangästhetiken kommen aus dem bekannten Revier, aber wo auf der ebenso elektronisch dominierten Kollaboration „Dear And Unfamiliar“ die Elektronik von Leonardo Rosado einen auf der vollen Lauflänge miteinander verzahnten, aufeinander aufbauenden Komplex bildet, so sind es bei Brother Sun/ Sister Moon besonders die elektronischeren Stücke, die von ihrer Anlage am weitesten aus dem Gesamten herausstechen: wie (etwas abstraktere) Clubmusik; mit Sounds aus diesem Kosmos, die hier dann doch eher fremd (oder zumindest erheblich überraschend) wirken. Und auch die Stücke, die aufgrund ihrer Instrumentierung stärken den bekannten Gestus bedienen, verlassen ebenfalls den fast schon abstrakten Minimalismus der Aura von Birds Of Passage. Nutzen zwar dessen korrodierte Sounds, die Melodieführung des Gesangs und die der Instrumentierung nähert sich aber interessanterweise stärker dem traditionellen Song, als das bei ihrem Soloprojekt der Fall wäre.

Eines ist die aus diesen Komponenten entstehende Mischung, ist Brother Sun/ Sister Moon jedoch in keiner Weise: ein Gang über bekannte Gefilde. Das Zusammentreffen unterschiedlichster Ideen und Song- bzw. Trackformate zwischen Folk/ Shoegaze und Elektronik/ Dance wandelt stets auf dem schmalen Grat zwischen Zusammenhang als ein Werk und Kompilation und endet dann (in der CD-Version, auf Vinyl ein exklusiver Remix des Dale Cooper Quartets), völlig unerwartet mit dem „Listening Mirror Remix“ von dem auch in der Originalversion enthaltenen Tracks „Stand Under“; in dieser Form als ein Dark Ambient-Stück im besten Thomas Köner-Stil, die Stimme als eine ferne Erinnerung, ganz weit weg, auf einem anderen Planeten…

(N)

Format: CD/LP
Vertrieb: DENOVALI/CARGO
Mailorder: Going Underground
 

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