San Francisco scheint ein guter Nährboden für Musik zu sein. Nicht erst in den letzten Jahren finden sich dort eine Vielzahl von innovativen Bands und Künstlern zusammen, die die Subkultur mit ihren Veröffentlichungen bereichern – so auch GRAYCEON. Die Band, bestehend aus Jackie Perez Gratz (AMBER ASYLUM, GIANT SQUID; elektrisches Cello), Max Doyle (WALKEN; Gitarre) und Zack Farwell (WALKEN; Schlagzeug), brachte 2007 ihr Debüt auf Vendlus Records heraus und erntete dafür viele positive Kritiken. Nach der Veröffentlichung einer Split-7” mit GIANT SQUID erscheint dieser Tage nun ihr zweites Album “This Grand Show”. Was sie darüber hinaus bewegt, zeigt das folgende Interview.
? Im November wird euer zweites Album “This Grand Show” endlich erscheinen. Was könnt ihr uns über die Entstehungsmomente des Albums berichten? Gab es signifikante Wegmarken, von denen ihr erzählen möchtet? Wie sah der Aufnahmeprozess aus?
Jackie: Ziemlich früh beschlossen wir, dass wir die Songs in der Reihenfolge schreiben würden, in der sie auf dem Album zu finden wären. Ich denke, dadurch gelang es uns, dass das Songschreiben ziemlich gut von der Hand ging und drei Monate bevor wir ins Studio gehen wollten, waren wir überraschenderweise damit fertig. Max, Zack und ich fuhren jeden Tag für ein Stück nach East Palo Alto. Zum Lunch gab es mexikanisches Essen und das ist inzwischen für uns zu einer Art Aufnahmeritual geworden. Die Momente, an die ich mich noch am lebhaftesten erinnere, waren die, als wir die Perkussion und den Lärm für den “Space Jam”-Teil von “Sleep” aufnahmen. Zack und Jack (unser viertes Ehrenmitglied/ Toningenieur/ Freund) liefen im Studio herum und nahmen einfach alles, was da war, auf: Die knarrenden Türen zwischen dem Wohnbereich und dem Studio, Wasser, das sich in Metallschalen bewegte, Bögen am Becken, Trommelschlegel im Innern eines Klaviers etc. Ich schätze immer etwas “Spiel”-Zeit im Studio.
Max: Taco Bell.
? Wenn ihr einen Vergleich zu eurem Debüt ziehen müsstet, worin seht ihr Parallelen beziehungsweise Unterschiede zu “This Grand Show”?
Jackie: Zwischen den beiden Alben gibt es einige Unterschiede – der offensichtlichste ist, dass “This Grand Show” live aufgenommen wurde und das Debüt nicht. Der Gesang, die vorhin erwähnten perkussiven Elemente bei “Sleep” und einige der Instrumente sind Overdubs, aber der Großteil der Musik wurde live eingespielt. Wir wollten, dass das Album schwerer klingt und widerspiegelt, wie wir live klingen. Ein weiterer Unterschied ist, dass “This Grand Show” viel düsterer und doomiger als das Debüt ist, was damit zu tun hat, wie wir uns im vergangenen Jahr gefühlt haben. Was Parallelen anbelangt, denke ich, dass beide Alben ganz gut den Sound von GRAYCEON widerspiegeln. Beide sind voller Melodien und Feinheiten, die einem erst nach einigen Hördurchgängen bewusst werden. Es sind beides Alben, die einem ganz schön was abverlangen.
Max: Die Instrumentierung und der Sound im Allgemeinen haben sich nicht stark verändert. Es ist immer noch schwierig eine Beschreibung für die Musik und eine Klassifizierung zu einem spezifischen Genre zu finden. Die Unterschiede bestehen u.a. darin, dass wir versucht haben mehr experimentelle Ambientsounds einzufügen. Und wie Jackie bereits erwähnte, ist unser aktuelles Album düsterer als unser Debüt.
Zack: Der Aufnahmeprozess bei diesem Album lief für uns reibungsloser ab, da es bereits fertig war als wir ins Studio gingen. Unser Debüt hingegen war noch nicht vollständig geschrieben als wir zum damaligen Zeitpunkt ins Studio kamen. Außerdem wusste unser Toningenieur Jack Shirley diesmal genau, welche Klänge und Sounds wir erreichen wollten.
? Euer Debütalbum ist äußerst positiv aufgenommen worden. Viele Rezensenten hoben vor allem die Tatsache hervor, dass ihr mit der Veröffentlichung etwas Neues beziehungsweise Innovatives geschaffen habt. Wie geht ihr als Band mit dem “Druck” dieser Besprechungen in Bezug auf euer aktuelles Album beziehungsweise künftige Arbeiten um?
Jackie: Ich fürchte, wenn wir einmal unseren Sound als Kollektiv gefestigt haben und wir weitere Alben mit derselben Instrumentierung veröffentlichen werden, vielleicht einige Leute der Ansicht sein könnten, dass wir uns musikalisch nicht weiterentwickeln. Ich weiß, dass es mich eigentlich nicht kümmern sollte, was andere über unsere Musik denken, so lange ich daran Spaß habe, sie zu machen – aber ich tue es doch. Max und Zack machen mir das Leben schwer, weil ich immer so viel rumunke.
Zack: Die Kritiker können schreiben, was sie wollen. Ich bin sehr dankbar über das positive Feedback, welches wir erhalten haben und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass wir uns konstruktive Kritik nicht zu Herzen nehmen und unsere “Fehler” nicht verbessern würden, aber wir schreiben nur für uns die Musik und nicht für jemand anderen. Wir sind nicht mehr als drei gute Freunde, die Spaß daran haben, gemeinsam Musik zu machen. Vielleicht klingt das banal, aber es ist die Wahrheit. Für mich ist Musik Meditation und Therapie. Jede Form von Anerkennung, die ich durch Musik erhalte, ist eher ein schöner Nebeneffekt.
? Ein Grundproblem bei Besprechungen von Tonträgern ist unserer Ansicht nach das asymmetrische Verhältnis zwischen einer Fülle von Eindrücken einerseits und einem recht formalisierten und standardisierten sprachlichen Repertoire andererseits. Wie steht ihr diesem Problem gegenüber?
Jackie: Ja, das ist mir auch aufgefallen. Mich interessiert ein Schreibstil nicht so lange wie die Leute ihre eigene Meinung formulieren. Reviews, die nur alles auf einem Album beschreiben, Song für Song, aber keine wirkliche Beurteilung beinhalten, sind eigentlich keine Reviews. Zudem bedrückt es mich, wenn Leute das Album besprechen, die keinen Metal mögen. Es ist nicht besonders fair, ein Album öffentlich als grauenhaft zu bezeichnen, wenn der einzige Grund dafür darin besteht, dass man eher elektronische Musik bevorzugt.
Max: Das ist mir egal. Leute können Reviews schreiben, wie sie wollen. Ich denke nicht, dass ein Schreibstil besser als ein anderer ist.
? Auf dem Album gibt es einen Track “Love Is (A Dream)”, der bereits auf eurer Demo-CD war. Die Ergänzung “A Dream” war jedoch noch nicht vorhanden. Ist diese Ergänzung damals schlicht weggefallen oder gibt es Gründe dafür?
Jackie: Eigentlich war dies das dritte Mal, dass wir diesen Song aufgenommen haben! Einmal für das Demo, einmal für unser Debüt (auf das der Track aus Zeitgründen nicht mehr draufgekommen ist) und einmal für “This Grand Show”. Als ich den Text und den Titel für das Stück schrieb, war ich verliebt und von der bloßen Existenz der Liebe inspiriert. Als wir das neue Album vorbereiteten (gut zwei Jahre später) hatte ich eine vollkommen andere Sicht auf die Dinge. Wir wollten “Love Is” unbedingt auf dem Album haben. Da das neue Album aber düsterer und von einem Thema durchzogen sein sollte, änderte ich den Titel. Wir packten es unter die anderen Tracks – dort konnte es die Rolle eines Traums oder Flashbacks spielen.
? Auffällig bei fast allen eurer Songs ist, dass diese eher selten die 10-Minuten-Grenze unterschreiten. Könnte man sagen, dass das epische Element GRAYCEONs so seine Form findet?
Max: Leute assoziieren mit dem Wort “episch” etwas Kraftvolles und Bewegendes. Wenn jemand unseren Sound als “episch” bezeichnet, verstehe ich das als Kompliment. Man kann fast alles als kraftvoll und bewegend wahrnehmen, aber die Länge unserer Songs trägt da wahrscheinlich schon etwas dazu bei.
? Auf eurer Myspace-Seite kann man sich u.a. einen Kurzfilm zu “Song For You” anschauen, der mit dem Hinweis “beware, it`s not for the squeamish” angekündigt wird. Wie entstand die Idee zu diesem Kurzfilm?
Jackie: Daniel Hague und Corin O`Hara, zwei Filmemacher aus der Gegend, wollten etwas von der Kinoästhetik von Michael Haneke aufnehmen und in einen Minifilm mit unserer Musik übertragen. Ich denke, man kann es als “Musikvideo” bezeichnen, aber für mich ist es eher ein Kurzfilm. Die eigentliche Bedeutung des Textes zu “Song For You” ist eine gegenseitige Widmung, deswegen dachten die beiden Regisseure, es sei ironisch, wenn man das Lied während des typischen Abendessens eines verheirateten Paares hört, ein Paar, das in einer Beziehung gefangen ist, in der jeder darüber Fantasien hat, wie er den anderen auf übertriebene und blutige Art umbringen kann. Es gibt viel Mord- und Totschlag, deshalb sollten Leute, die so etwas nicht mögen, es sich nicht anschauen!
? Von MONTE CAZAZZA gibt es eine Song mit dem Titel “If Thoughts Could Kill”. In dem Song heißt es weiter “we`d all be dead”. Ist der Kurzfilm eine Illustration dieser Ansicht oder würdet ihr sagen, dass er bestimmte Arten von Beziehungen ausleuchtet?
Jackie: Ich denke, ein klein wenig von beiden, aber hier ist das, was unser Regisseur Daniel dazu sagt: “Ich habe den Song nicht gehört, aber ja, es kann häufig verstörend sein, was wir vielleicht manchmal denken. Leute haben oft übertriebene und brutale Fantasien, wenn sie sich mit Dingen beschäftigen müssen, die ihnen lästig sind, egal ob das im Verkehr, bei der Arbeit, beim Einkaufen der Fall ist oder in der Beziehung zu Freunden oder zur Familie.”
? Das Internet lässt sich unserer Meinung nach ambivalent betrachten. Einerseits ist es relativ einfach auf neue Bands zu stoßen, deren Tonträger zu erwerben etc. Andererseits stellt die Fülle der im Netz vertretenen Bands selbst den gutwilligsten Musikinteressierten vor eine gigantische Auswahl, die zu bewältigen einfach die Zeit fehlt. Wie steht ihr dieser Ambivalenz gegenüber und welche Facetten des Internets dominieren für GRAYCEON?
Jackie: Ich denke, dass Myspace heutzutage etwas außer Kontrolle gerät. Zuerst dachte ich, dass es für Musikliebhaber eine gute Möglichkeit sei, alternative Musik zu entdecken, und dass sich dadurch vielleicht die Qualität kommerzieller Musik erhöht. Aber das ist offensichtlich nicht passiert! Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass solch ein Überschuss an neuer Musik und schlechter Musik vorhanden ist, dass die Leute keine Lust mehr darauf haben. Leute “sperren” sogar Bands, wenn diese sie fragen, ihre “Freunde” zu werden. Das ist ein gutes Zeichen dafür, dass Hörer übersättigt sind. GRAYCEON werden weiterhin präsent im Internet sein, denn alles andere wäre professioneller Selbstmord. Myspace ist immer noch eine gute Werbeplattform, aber wir erwarten nicht, dass wir dadurch entdeckt werden oder eine Menge mehr Alben verkaufen.
? Inwieweit seid ihr von illegalen Downloads betroffen? Wie steht ihr diesem Thema prinzipiell gegenüber?
Max: Ich denke, das ist unvermeidbar. Für uns ist es wichtiger, dass unsere Musik Verbreitung findet und weniger, dass Leute für unsere Musik etwas bezahlen.
Jackie: Ich stimme Max zu, dennoch ist es so, dass illegale Downloads die Künstler in eine schwierige Situation bringen. Wenn Leute die Musik umsonst bekommen, dann glauben unsere Labelbetreiber, dass wir zu wenig Alben verkaufen, was wiederum für uns die Chancen verringert, ein weiteres Album zu veröffentlichen. Das wollen wir definitiv nicht!
? Ihr tretet häufig mit Metalbands auf. Gerade im Metalbereich haben wir die Erfahrung gemacht, dass ein großer Teil der Hörerschaft darüber diskutiert, welche Musik man als Metal bezeichnen darf und insbesondere darüber welche nicht. Seid ihr mit so etwas auch schon einmal konfrontiert worden?
Jackie: Dieses Thema wird häufig in den Reviews zu unserer Musik diskutiert, da die Leute nicht genau wissen, ob sie uns zum Metalbereich zählen sollen oder nicht. Gewöhnlich sind Metalhörer sehr aufgeschlossen, dennoch gibt es Puristen, denen wahrscheinlich der Atem beim Gedanken daran stockt, dass GRAYCEON sich selbst als Metalband bezeichnen.
Max: Wir sind noch nie beschuldigt worden, eine falsche Metalband zu sein, aber andererseits haben wir auch nie von uns behauptet, eine wahre Metalband zu sein.
? In unserem letzten Interview habt ihr davon gesprochen, dass ihr mindestens einmal im Monat live auftreten müsst, sonst werdet ihr depressiv. Wie hat sich euer Live-Spiel im Laufe der Zeit entwickelt und wann werden GRAYCEON endlich in Europa auftreten?
Jackie: Wir spielen besser und gefestigter mit jeder Performance. Sicher, jeder von uns hatte schon mal einen Abend, an dem es nicht so gelaufen ist, aber größtenteils denke ich, dass wir uns weiterentwickelt haben. Glücklicherweise haben wir die Möglichkeit, regelmäßig in San Francisco aufzutreten und dort immer ein Publikum anzuziehen. Die Leute haben Spaß während unserer Shows oder zumindest scheint mir das so. Wir würden sehr gern in Europa spielen. Ich denke, dass wir so beschäftigt damit waren unser Album zu veröffentlichen, dass wir bis jetzt einfach keine Zeit gefunden haben, nach einem Booking Agenten zu suchen. Sobald uns eine gute Tour angeboten wird, werden wir da sein!
Max: Im Ausland aufzutreten, ist ein großes Ziel für uns alle drei.
? Existiert eurerseits eine Gewichtung in Bezug auf Spielfreude zwischen Aufnahmen und Live-Spiel?
Jackie: Nein. Überhaupt nicht. Uns gefällt beides! Na ja, manchmal glaube ich, dass Max die Arbeit im Studio lieber mag, aber wir schätzen auf jeden Fall beides sehr. Wenn wir auftreten, bekommen wir eine sofortige Reaktion. Ich mag es, wenn jemand aus dem Publikum etwas über den Sound im Club sagt oder wie er das Set fand. Solche Sache eben. Wir können spontan und lustig sein und die Leute unterhalten. Wenn wir aufnehmen, schauen wir eher in unser Inneres und können kritisch sein, wie wir uns die Songs vorstellen. Ich mag es sehr, neue Songs zum ersten Mal zu hören und mich zu fragen, warum ich manche Sachen nicht wahrgenommen habe, als wir das Stück geschrieben haben. Manchmal haben Max und Zack noch nicht einmal den Gesang gehört, bis ich alles fertig habe. Für uns ist die Zeit im Studio eine Zeit der Selbsterkenntnis. Wir erhalten eine neue Sicht auf das, was wir machen – eine Sicht, die wir nicht vom Proben oder Auftreten bekommen.
Max: Ja, der kreative Prozess, welcher das Schreiben und Aufnehmen beinhaltet, ist das was mich am meisten am Musikmachen begeistert. Das heißt aber nicht, dass ich es nicht liebe manchmal live aufzutreten.
? Welche eurer Shows habt ihr bis jetzt am besten in Erinnerung behalten?
Jackie: Das ist schwer zu beantworten. Es gibt so viele unvergessliche Shows für mich, aber wenn ich eine auswählen müsste, würde ich sagen unser Auftritt mit RED SPAROWES, RUSSIAN CIRCLES und AGALLOCH. Das war eine großartiger Abend.
Max: Die Show mit Dave Cloud in Nashville war phänomenal.
? Letztes Jahr veröffentlichte The End Records eine Split-7” zwischen euch und GIANT SQUID. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande? Wird es auch andere Kollaborationen in naher Zukunft geben?
Jackie: Ich hoffe doch! Zum damaligen Zeitpunkt hatte meine musikalische Verbindung zu GIANT SQUID gerade begonnen und wir gingen mit ihnen für über einen Monat auf US-Tour. Sie hatten einen Song, den sie bereits aufgenommen hatten und wir schrieben an einem neuen Song, nachdem unser Debüt erschienen war. Wir dachten, dass es Spaß machen würde und eine nette Vorstellung der Bands zu deren jeweiligen Hörerschaft wäre.
Max: Ja, wir würden sehr gern weitere Kollaborationen mit Musikern eingehen, die wir respektieren und deren Arbeit wir mögen.
? Auf eurem aktuellen Album verwendet ihr folgendes Zitat von John Muir: “This grand show is eternal. It is always sunrise somewhere; the dew is never dried all at once; a shower is forever falling; vapor is ever rising. Eternal sunrise, eternal dawn and gloaming, on sea and continents and islands; each in its turn, as the round earth rolls”. Als ich einige Nationalparks besucht habe, wurde er dort häufig zitiert. Wie entstand die Idee dieses Zitat zu verwenden?
Jackie: John Muir hat sehr viel für Kalifornien, wo wir alle aufgewachsen sind und leben, getan. Er ist verantwortlich für viele Naturschutzgebiete in der Bay Area. Daneben hatte er eine hoffnungsvolle Vision für die Welt, die in der heutigen Mentalität kaum noch vorhanden ist. Ich wollte, dass die Leute sich daran erinnern.
? John Muir gilt als Mitbegründer der Umweltbewegung. Wie steht ihr dem Punkt gegenüber etwas im eigenen Verhalten zu verändern, um die Umwelt zu schützen?
Jackie: Das ist erstrebenswert und notwendig in der heutigen Zeit. Ich habe mein Verhalten in den letzten Jahren langsam verändert. Mittlerweile wasche ich meine Kleidung nur in kaltem Wasser, ich esse weniger tierische Produkte und ich versuche Energie zu sparen, wo immer es möglich ist. Amerikaner sind Massenkonsumenten und die meisten sind sich nicht darüber bewusst, dass ein Einzelner den Unterschied ausmachen kann und wollen sich mit der Umweltproblematik im Allgemeinen überhaupt nicht auseinandersetzen (oder sind einfach zu faul dafür). Ich habe auch von Leuten gehört, dass sie nicht an die globale Erwärmung glauben, was eine absolut ignorante Position ist.
? Das Artwork von “This Grand Show” scheint auf die globale Erwärmung etc hinzudeuten. Seid ihr in irgendeiner Weise an euren Wohnorten von den Auswirkungen der globalen Erwärmung betroffen?
Jackie: Definitiv! Das Wetter hier in Kalifornien ist in den letzten Jahren völlig untypisch. Es ist wärmer während der Monate, in denen es nicht so sein sollte und es ist kälter während der Monate, in denen es nicht so sein sollte. Das ist sehr seltsam. Glücklicherweise sind wir nicht von so starken Naturkatastrophen wie andere Staaten betroffen. In San Francisco ist man sich sehr über die Auswirkungen der globalen Erwärmung bewusst und es ist beruhigend immer mehr elektrisch oder hybrid angetriebene Fahrzeuge sowie Biodieseltankstellen, die überall in der Stadt verstreut sind, zu sehen.
Max: Wir gehen davon aus, innerhalb der nächsten 20 Jahre den Pazifik hinuntergespült zu werden. Gewöhnt euch schon mal an Schläuche!
? Wie zufrieden seid ihr mit der Covergestaltung des aktuellen Albums und welche Rolle spielt die habtische Komponente bei einer Veröffentlichung im Allgemeinen?
Jackie: Wir lieben das Artwork des neuen Albums! Lorraine Rath, die von 2002-2006 Bassistin bei AMBER ASYLUM war, ist eine großartige Designerin und Malerin. Sie hat neben dem Design für “This Grand Show” auch unser Logo kreiert und das Cover für unser Debütalbum gestaltet. Für uns ist es wichtig, dass das Artwork den Hörer einstimmt und man als Band die Möglichkeit hat, etwas über die Musik anzudeuten, bevor die CD eingelegt wird.
? Kommen wir noch einmal kurz auf das Thema Politik zu sprechen. Welche Rolle spielen für euch die Präsidentschaftswahlen im November?
Jackie: Ich werde auf jeden Fall zur Wahl gehen, aber die politischen Undurchsichtigkeiten und Betrügereien dieses Landes lassen mich daran zweifeln, ob meine Stimme wirklich zählt. Wenn Politiker die Wahl manipulieren können, wie die letzte, warum sollten wir dann überhaupt wählen?
Max: Es ist einfach sich von jemanden mitreißen zu lassen, der einem Veränderung verspricht, aber ich frage mich, ob diese Veränderung jemals eintreten wird.
? Wie sehen eure Zukunftspläne aus?
Jackie: Wir schreiben bereits an neuen Songs. Hoffentlich wird es Ende des Jahres noch eine weitere Split-7” geben. Wir würden sehr gern wieder eine Tournee durch die USA machen und wir versuchen in Europa aufzutreten.
Max: Ich spare auf eine neue Gitarre.
? Abschließende Worte?
Max: Ich bin sehr froh, CARCASS die letzte Woche live gesehen zu haben. Geht hin, wenn sie bei euch in der Nähe spielen – tolle Show!
Jackie: Danke für das Interview!
Fotos: Daryl Darko
(D.L., M.G.)
|
|







