HYPSIPHRONE – And The Void Shall Pierce Their Eyes (CD)

Katholizismus ist zu Mainstream. Der Gnostizismus löste in den letzten Jahren wieder mal subkulturelle Feedback-Schleifen aus und machte das Konzept für die inhaltliche Ausleuchtung und Befüllung gerade in den thematisch wie symbolisch aus Mystizismen, Magick und alternativen religiösen Konzepten schöpfenden Genres, wie den düsteren Spielarten von Ambient über Ritual zu Post-Industrial interessant.

Algol S. nimmt mit seinem Projekt HYPSIPHRONE Bezug auf die gleichnamige Erlösergestalt aus einem Fragment, das 1945 als Teil einer frühchristlichen Textsammlung im ägyptischen Nag-Hammadi gefunden wurde (Hyps / XI, 4) und starke Parallelen zum gnostischen Konzept der Sophia als Verkörperung der Weisheit aufzeigt. Drei zentrale Motive sind Abstieg und Umkehr dieser Figur sowie das Blut. Ihr Aufenthalt in weltlichen Gefilden ist von kurzer Dauer. „And The Void Shall Pierce Their Eyes“ zeichnet eine apokalyptische, brutale Welt, bereits der erste Track löst den kurzen Abstieg der Hypsiphrone in eine „Momentary Illusion of Light & Hope“ auf. Musikalisch lässt sich das Album mit Bands wie MZ.412 oder BRIGHTER DEATH NOW vergleichen, schafft es sich durch die Black-Metal-Elemente bestens davon abzugrenzen und einen eigenständigen musikalischen Zugang und einen sehr eigenen „Bombast“ zu entwickeln. Rauschende Flächen, wohl platzierte Drums, klagende Synthesizer-Laute, Feldaufnahmen und sich gut einfügende Vocals malen ein authentisches Bild einer verlorenen Welt, deren Chancen auf Erlösung sich in ein Nichts aufgelöst haben. Ob man dann bei „Resurgence of Mors Sexualis“ wieder den guten alten Nekrophilie-Hammer auspacken muss, bleibt fraglich.

Das schwarz-weiß gehaltene „Artwork“ hingegen ist hässlich. Ein paar alte Kupfer- oder Holzstiche, die so vermatscht aussehen wie künstlich hochgerasterte Scans aus einer x-beliebigen Bildersuche bei einer Suchmaschine eurer Wahl, sind keineswegs zeitgemäß. Was die unfreiwillige Hässlichkeit bzw. ästhetische Unbeholfenheit anbelangt, so sind die Black Metal-Bezüge hier (leider) noch wesentlich klarer als auf der CD. Ungeachtet dessen: Eine atmosphärisch dichte – wie musikalisch abwechslungsreiche Platte auf dem vor allem von Wiederveröffentlichungen und größtenteils überflüssigen BDN-Epigonen geprägten Feld „Death Industrial“.

(AnP)

Format: CD
Vertrieb: BLACK PLAGUE/MALIGNANT
Mailorder: Going Underground
 

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