CRIPPLED BLACK PHOENIX – (Mankind) The Crafty Ape (2CD)

Man kann im Falle CRIPPLED BLACK PHOENIXs schon ein bisschen von der Band der Stunde im Bereich progressiver, alternativer Rockmusik sprechen. Darauf können sich Medien bzw. Kritiker generell sehr gut einigen. Waren die Vorgängeralben bereits Kleinode, die sich aber aufgrund der Experimentierfreude erarbeitet werden wollten, so ist man hier ein ganzes Stück kompakter, gebündelter, eben fokussierter, was nicht bedeutet, dass man die bandinterne Stiloffenheit zu Grabe getragen hätte.

Man hat eher die Ausdrucksmöglichkeiten, die bisher ein Markenzeichen der Band waren, weiter und klarer herausgeschält – soll heißen: die flirrenden ambient-folkloristischen sowie epischen Elemente verbinden sich kongenial mit dem oft PINK FLOYD lastigen, ausufernden Prog Rock. Das mutet wie eine Mischung aus neu und alt an, da man klassische 70er Jahre Rock Elemente vorfindet, diese wiederum aber mit dem Verständnis einer modernen Alternativrock-Band, die mit Ambient, Folk und Country-Elementen zu jonglieren versteht und so ein hochexplosives Gemisch erzeugt.

Entscheidend sind letztlich unterm Strich das Erzeugen einer bleibenden, ergreifenden Atmosphäre und weniger ein Aneinanderreihen von Stilen. Dies gelingt erneut nach mehrfachem Hören dieser Doppel-CD.  Sehr eindrucksvoll schafft man es mal wieder, diese auf den Vorgängern bereits so typische, bandeigene, feierliche und tragisch – erhabene Aura zu verbreiten, die mich in ihren besten Momenten an das Debüt von GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR erinnert oder die Größe von 16 HORSEPOWER/ WOVEN HAND-Alben erreicht.

CRIPPLED BLACK PHOENIX agieren gern mit flirrenden Americana-Sounds, dies mal in kürzeren Instrumentals, um dann epochal in bis zu 15minütigen Stücken wie “Faces With Complete Failure…“ oder dem absoluten Höhepunkt “The Heart Of Every Country“ die totale Postrock/ Progrock-Epik aufzufahren. Schön auch, dass wieder mit den kämpferischen, folkloristischen tragischen Melodien unter intensiven Einsatz weiblichen Gesangs gearbeitet wird, wie im großartigen “Get Down And Live With It“ oder bei “Operation Mincemeat“.

Zudem gibt es breit aufgestellte zähe Rockstücke wie “A Letter Concerning Dogheads“ oder das bluesig massive “A Suggestion (Not A Very Nice One)“. Diese Stücke sind extrem hypnotisch und rauschartig – klingen wie Mutter Erde tief von unten aufsteigend, sich erhebend – die volle epische Schlagseite eben. Daneben wieder kurze instrumentale Intermezzi, ambientartig, nächtlich weit klingend wie in “In The Yonder Marsh“ oder im kargen “Dig, Bury, Deny“ und natürlich im wunderschönen “We Will Never Get Out Of This World Alive“. Hier bleibt gern mal die Zeit zum Sinnieren stehen, wenn Piano auf weinende Gitarrenakkorde trifft und jene mit Field-Recordings verbunden werden. Der kleine Popsong des Albums ist “Laying Traps“, bei dem man mal etwas mehr als sonst nach vorne rockt – wird live mit Sicherheit schön treiben.

Gesanglich wird wie immer Bescheidenheit zelebriert, da die Stimme eher im Bandsound integriert wird, als sich dem pathetischen Rock noch aufsetzen zu wollen. Das ist sympathisch, da man als Gesamtsound funktioniert, wo gern auch Geigen, Bläser, wimmernde Akustikparts oder singende Säge jene Weite erzeugenden Bilder vermitteln und dies mit eben sehr langen Songs bis zu einer Viertelstunde genussvoll ausgepegelt wird. Mit dem Verständnis einer modernen experimentierfreudigen Rockband agierend, welche Stile wie Stoner Rock, Blues, Prog Rock, Post Rock mit Ambient und Folk zu einem Mix verbindet, der von einer dunklen, leidenschaftlichen Atmosphäre durchzogen wird, stehen für die Band in Zukunft alle Türen offen. Zu empfehlen sind CRIPPLED BLACK PHOENIX auch live, schafft man dort sehr fokussiert und intensiv die rockige Ausrichtung lautstark zu untermauern. Tipp für Fans und die es noch werden sollen!!!

(R.Bärs)

Format: 2CD
Vertrieb: MASCOT
 

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