OMEGA MASSIF – Geisterstadt/ Kalt (2CD/ LP)

Im Grunde geht es doch immer darum: Atmosphäre, Unterscheidbarkeit, Aufmerksamkeit. und je fokussierter der Stil bei gleichzeitigem Weglassen vordergründiger Botschaft (aka Gesang), um so zunehmend enger wird es mit dem Erarbeiten dieses notwendigen eigenen Stils (sofern sich die Protagonisten nicht vollständig ins experimentelle Lager mit seiner eigenen Art von Freispiel absetzen).

Aber von reinem Experiment kann und soll hier nicht die Rede sein. OMEGA MASSIF experimentieren vielmehr mit den Möglichkeiten, die Fantasie de(s)[r] Hörer(s)[in] schon durch die Titel, den der Platte und die der einzelnen Tracks, in eine Stimmung unheimlicher Erwartung zu versetzen. Eine Erwartung, die, quasi als Tür, das Aufnahmevermögen für die Musik bereits vor dem ersten Ton öffnet oder zumindest zusätzlich oder in eine bestimmte Richtung sensibilisiert. Insofern ist die durchgehende Ästhetik der Namensgebung mit ihrem, im Fall von OMEGA MASSIF fast durchgehend düsteren Beiklang alles andere als Selbstzweck, sondern vielmehr unbedingter Bestandteil des Gesamten. Völlig egal, inwieweit es da Leute gibt oder geben mag, die eine derartige Illustration rein instrumentaler Musik ggf. für unnötig oder gar austauschbar halten.

OMEGA MASSIF schert das nicht und gerade die in diesem Zusammenhang doch sehr ungewohnten deutschen Titel können die Arbeit der Band schon vor dem ersten Ton als etwas Eigenständiges erwarten lassen. Dass diese Fokussierung bis ins Detail auch Auswirkungen auf die (visuell eindrucksvoll prägende und hier, in der Wiederauflage variierte) Coverästhetik und -gestaltung hat, ist dann ja keine Überraschung mehr, sondern schlüssig und konsequent und ein weiterer Baustein aus dem Gesamtgebäude OMEGA MASSIF.

Ok, und wie hören sich diese allein per Namensgebung erzeugten Bilder nun an? Viele von euch wissen es eh schon. „Geisterstadt“ ist (wie schon angedeutet) eine Wiederveröffentlichung von 2006, die aber, das an alle, die jetzt abschalten wollen, noch immer absolut in time klingt, mit ihrem völligen Verzicht auf irgendeine Effekthascherei sogar irgendwie darüber hinaus: Purismus im Ausdruck und als Ausdrucksmittel, Skelettierung mit Restfleisch, gnadenlos auf den Punkt, dabei atmosphärisch ohne in die Not zu geraten, dafür irgendwelche fremden musikalischen Zusätze einsetzen zu müssen. Gitarre (2x), Bass, Schlagzeug und ein Harmonie- und Melodieverständnis weit über dem Standard. Und ein Zusammenspiel, das alle Facetten zwischen unisono Druck und Diversität ausspielen kann. Wie diese Musik zu betiteln ist, jenseits der Titel, als post-??? spielt fast keine Rolle. Entscheidend ist, dass sie sofort packt. Und alle die, die ggf. schon ein wenig Post Rock müde sind, Metalverwandtes jedoch aus irgendwelchen (zweifellos ethischen) Gründen meinen ablehnen zu müssen: Versucht es mal. Dies hier kann alles, was ihr sucht. Nur noch ein bisschen gefährlicher.

Dem Label sei Dank sowohl als Vinyl und CD in aufwendigen Covern, die CD sogar als doppelte mit der „Kalt“ (ein Demo, erschienen vor der „Geisterstadt“) als Zugabe. Einer Zugabe, die gegenüber der „Geisterstadt“ gerade mal eine Überschneidung zeigt und, wie zu ahnen, keinerlei Abfall in der Leistung.

(N)

Format: 2CD/ LP
Vertrieb: DENOVALI/ CARGO
 

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