CELESTE – Morte(s) Nee(s) (CD/ LP)

Die Gegensätze könnten größer nicht sein:  Das Cover (wieder; “Morte(s) Nee(s)“ ist CELESTE Album #4) mit einem Coverbild zwischen Anmut und Verheißung. Verheißung welcher Art auch immer. Im Inneren des Gatefold variiert fast gleiche Pose. Anderes Mädchen, vielleicht etwas unschuldiger, weniger Verheißung, gedruckt in Gold auf Schwarz.

Die Musik wie in einem Rausch. In dem Rausch einer sich windenden, räudigen Katze. Die Krallen ausgefahren. Mehr Krallen, als eigentlich möglich sein kann. Gleichzeitig in alle Richtungen tretend. Fauchend gegen alles, ohne Vorspann, ohne Ermüdung. Rausch. Ein dichtes Trommelfeuer, eine in einer Form korrodierte Klangästhetik, die das Bild einer extrem düsteren Welt aus grauem Dreck assoziiert. Anklagen in den Zwischenräumen, keine Chance auf Erholung, keine Aussicht auf Hoffnung. “ces belles de rêve aux verres embués“, „les mains brisées comme leurs souveniers“, „il y a bien des porcs que ca ferait bander de tétouffer“, „en troupeau des louves en trompe l’oeil de agneaux“ fast ein/erstes Verharren: „(S)“/prüfen auf Verwundung?/Rausch/“un miroir pur qui te rend misérable“/“de sorte que plus jamais un instant ne soit magique“: der Twist mitten im Stück. Die Belohnung für den Kampf? Das Ende des Kampfs? Der Beweis für die Existenz von Nischen zwischen dem Dreck/Luftholen/Erholung/aus dem typischen CELESTE-Wahnsinn in Feedbacks/stehende Töne/und Streicher/und Ausklang.

CELESTE machen auf „morte(s) nee(s)“ alles richtig: Dieser Sound, der wie eine in sich abgeschlossene Blase nicht nur über allem hängt, sondern tatsächlich alles umhüllt und es fast unmöglich macht, die einzelnen Rollen von Gitarre und Bass zu entschlüsseln, zu unterscheiden. Der in erster Linie dafür verantwortlich ist, dass diese Atmosphäre grauschwarzer Klaustrophobie entsteht, in kleinste Teile gehackt durch das Schlagzeug. Das alles Träger für bzw. durchwoben von einem durchweg aggressiven Gesang. Freundlicherweise (bezogen auf die Verständlichkeit) mit Textblatt, unfreundlicherweise (bezogen auf dessen Lesbarkeit) in einem grafischen Fluss, der auf der anderen Seite ganz der Rauschhaftigkeit der Musik entspricht.

Die Ankündigung der Integration von Streichern, bei einigen vielleicht ein Grund für Angstschweiß im Vorfeld, wird in der Ausführung ganz zur vollständig gelungenen Operation: nicht nur durch die Fokussierung auf nur einen (und dann noch den letzten) Song und dessen (lauf)zeitliche und atmosphärische Erweiterung, sondern insbesondere durch den Einsatz als Erweiterung im Sound und eben nicht von außen aufgesetzt. Will sagen: die Streicher klingen genauso räudig und kaputt wie die Gitarre und der Bass. Und das ist gut so. Wirklich überzeugend und mit Blick auf Cover und Sound (ohne das schöne nur-Pappe-Aufklappcover der CD herabwürdigen zu wollen) meiner Meinung nach am besten auf Vinyl.

(N)

Format: CD/ LP
Vertrieb: DENOVALI/ CARGO
 

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