SIEBEN – No Less Than All (CD)

Matt Howden ist einer der umtriebigsten Musiker der düster-alternativen Szene. Ich möchte glatt behaupten, dass die meisten Fans verschiedener szenerelevanter Spielarten des Folk bewusst oder unbewusst mindestens einen Tonträger besitzen, an dem Howden seine virtuosen Finger im Spiel hatte.

Seine bekannteste Inkarnation ist indes das Projekt SIEBEN, das mittlerweile unter THE MIGHTY SIEBEN firmiert. Live ist SIEBEN eine schwer aus den Lineups einschlägiger Festivals wegzudenkende und gefeierte Institution. Was die Studioproduktionen anbelangt, hatte man mit dem auf Trisol erschienenen „Desire Rites“ das Gefühl, man würde eine leicht veränderte Variante früherer Alben hören. Skeptiker runzelten sogleich bei der Ankündigung eines neuen Longplayers die Stirn – vergebens! „No less than all“ verlässt die reichlich erkundeten Pfade. Das Songwriting wirkt komplexer und bedeutend abwechslungsreicher, schlägt Howdens Geigenspiel und Gesang neue Wege frei, die THE MIGHTY SIEBEN in Richtung Psychedelic Rock („Preacher Online“, „I Saw A Tree“) und sogar Post Punk führen. So ist auch endlich das gefeierte Cover des JOY DIVISION-Klassikers „Transmission“ enthalten, das jedoch hinter der Intensität der Konzerte zurückbleibt. Gut ist es trotzdem. In Stücken wie „Shake the Tree“ macht sich eine angenehme Leichtfüßigkeit breit. Für die Tanzflächen ist auch hinreichend gesorgt: „In a Train“ schreit regelrecht nach dem geschwungenen Tanzbein.

Sorge ist jedoch keine angebracht. Der Markenkern bleibt unangetastet. THE MIGHTY SIEBEN ist mehr eine neue Evolutionsstufe als eine revolutionäre Neuerfindung und damit hochgradig authentisch. Allein schon der Titeltrack „No less than all“ zwingt mich, die „Repeat“-Taste einzurasten. Nachdem ich von „Desire Rites“ enttäuscht war und das nächste reguläre Studioalbum übersprungen habe, stimmt „No less than all“ nicht nur versöhnlich. Ein grandioses Album und der musikalisch größte Wurf aus der Feder Matt Howdens. Hut ab und Danke dafür!

(AnP)

Format: CD
Vertrieb: Redroom
Mailorder: Going Underground
 

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