PLANNING FOR BURIAL – Interview

Wenn davon gesprochen wird, dass “an feine Ohren gute Kunde geht“, ist auch PLANNING FOR BURIAL gemeint. Das amerikanische Einmannprojekt veröffentlichte aus dem Schatten des eigenen Zuhauses bereits diverse Soundkleinode. Seit kurzem hat Thom auf Enemies List Home Recordings eine neue Veröffentlichungsheimat gefunden. PLANNING FOR BURIAL hören, heißt immer auch Nuancen wahrnehmen, die vorher noch nicht so wahrgenommen wurden – Sounds nachspüren, die so noch nicht erklangen – und schließlich sich einem Strom anheim geben, der einen leicht aus den Niederungen des Alltäglichen fortspülen kann. Es ist kleiner Zauber, der das amerikanische Projekt umgibt und der sich leicht auf den Hörer überträgt und so seinen Mantel um ihn wirft. Gleich einer Art musikalischen Bewusstseinsstroms verleiht Thom diesem über seine Instrumente Ausdruck. Nun ist diese Sprache keine leicht verständliche, da ihre Grammatik komplexer und ihr Wortschatz mannigfaltiger ist. Das nun folgende Interview trägt nicht den Impuls, den Zauber PLANNING FOR BURIALs aufzulösen. Vielmehr gilt es hier dem Magischen auf der Spur zu bleiben…  

? Kannst du uns einen kurzen Überblick über die Entwicklung deines Projekts PLANNING FOR BURIAL geben?

Seit ich Musik mache, nehme ich Songs mit Hilfe verschiedener technischer Geräte auf. Mit den Arbeiten für PLANNING FOR BURIAL begann ich 2006.

? Wie sieht deine eigene musikalische Sozialisation aus? Was weißt du darüber zu berichten?

Da fallen mir zuerst Jahre schlafloser Nächte während meiner Zeit in der High School und im College ein, in denen ich Kopfhörer aufhatte und alles mit meinem 4-Spur-Gerät aufnahm. Dabei habe ich gelernt zu erkennen, welche Parts zusammenpassen und welche nicht.

? Wie finden dich die Ideen – wie findest du sie? Wann ist etwas für dich soweit gediehen, dass du es veröffentlichen willst?

Ich veröffentliche kein Material, mit dem ich nicht komplett zufrieden bin und das kann manchmal Monate oder Jahre dauern. Ich denke nicht, dass Zeitvorgaben im Zusammenhang mit Kunst eine Rolle spielen sollten. Ich verbringe eine Menge Zeit auf meiner Veranda und spiele dort auf meiner Akustikgitarre. Manchmal verarbeite ich die so entstandenen Ideen und versuche sie mit meinem vollständigen Set Up weiter auszuarbeiten. Meistens sind meine Lieblingsstücke eher skizzenhaft, gerade mal 1 oder 2 Minuten lang, direkt auf Kassette aufgenommen und werden von mir nie fertiggestellt.

? Worauf achtest du während des Kompositionsprozesses?

Gewöhnlich versuche ich, dass meine Alben eine bestimmte Stimmung beziehungsweise einen bestimmten Klang vermitteln.

? Wo liegt dein Hauptaugenmerk bei deinen Releases?

Wenn ich ein Album aufnehme, versuche ich herauszufinden, wie die Songs miteinander funktionieren: Flow, Stimmung, Klang. Diese Dinge sind mir sehr wichtig.

? Dein Album “Leaving“ ist bei Enemies List erschienen. Wie hast du den Moment der Veröffentlichung empfunden?

Um ehrlich zu sein, kann ich mich bei einigen der Songs nicht mehr an meine Stimmung erinnern, weil sie vor 6 Jahren geschrieben worden sind. Ein Freund, der mich angehalten hat, das Album fertigzustellen, kann sich womöglich besser als ich an das erinnern, was zu dieser Zeit alles passiert ist.

? Wie ist in diesem Zusammenhang der Kontakt zwischen dir und Dan Barrett entstanden?

Ich habe Dan über Twitter kennengelernt. Wir haben uns dort über alles Mögliche unterhalten und haben dadurch eine Art Freundschaft aufgebaut. Ich verehre die Arbeit von Enemies List Home Recordings, weil sie meinem Verständnis der Veröffentlichung von Musik entspricht. Nachdem  ich das Album aufgenommen hatte, schickte ich Dan einen Link, damit er es sich anhören konnte. Ich hatte keinerlei Erwartungen, aber ihm schien es zu gefallen und deshalb stehe ich heute da, wo ich bin. Viele Dinge in meinem musikalischen Leben hätte ich nicht machen können, wenn nicht der entscheidende Anstoß von ihm gekommen wäre, das Album zu veröffentlichen.

? Mit LONESUMMER hast du ein Split-Album herausgebracht. Wie kam es dazu?

Zu der Zeit als wir beschlossen dieses Album aufzunehmen, war ich es leid, die Gitarre als mein Hauptinstrument in meiner Musik zu verwenden, deshalb wollte ich mehr mit Synthesizern arbeiten. Das führte dazu, dass ich Musik kreieren wollte, die als kompletter Kontrast zu dem rauen Noise/ Black Metal von LONESUMMER stehen sollte. Diese Veröffentlichung trägt den Charakter, den Split-Alben meiner Meinung nach haben sollten: 2 verschiedene Seite/ zwei verschiedene Persönlichkeiten. Ich finde, dass unsere Songs eigentlich gut zusammenpassen – die Art wie mein letzter Track ausklingt und sein erster Track anfängt. Ich arbeite gern mit Künstlern, deren Musik mir gefällt, aber das wichtigste ist, dass sie gute Freunde sind. Nachdem die Split-CD draußen war, begann ich als Live-Schlagzeuger bei LONESUMMER zu spielen und Drew ist mittlerweile einer meiner besten Freunde.

? Gibt es sonst noch jemanden, mit dem du gern kollaborieren würdest?

Ich bewundere die Aufnahmetechniken und das Schlagzeugspiel von Phil Elverum.

? Gibt es Künstler, zu denen du eine Art mentale und musikalische Nähe spürst?

Definitiv zu LIFE IN THE DARK.

? Gibt es Kategorien oder Muster, die eine entscheidende Rolle für deine Arbeiten spielen?

Ich mag es mit verschiedenen Genres auf einem Album zu spielen, manchmal sogar innerhalb eines Songs. Aber mein Ziel ist es immer, dass die Musik so klingt, dass man sie als meine Musik erkennen kann. Mein gesamtes Material ist sehr ernsthaft, dennoch würde ich sagen, dass ich mich selber nicht allzu ernst nehme.

? Was hältst du so betrachtet generell davon, Musik und Künstler zu kategorisieren?

Es ist schwer für mich meine Musik genau zu beschreiben, weil sie immer wieder Veränderungen unterlegen ist, aber als jemand, der eine Menge Musik konsumiert, verstehe ich es, dass bestimmte Dinge kategorisiert werden müssen. Für gewöhnlich überlasse ich das jedem Hörer selbst.

? Man kann nur sehr wenige Informationen über dich finden. Du betreibst einen Blog und hast eine Facebook-Seite. Welche Intention steckt dahinter?

Für eine ganze Weile habe ich mich nicht wirklich darum gekümmert, dass man meinen Namen oder mein Gesicht mit dem Projekt in Verbindung bringt – ich dachte nicht, dass das von Bedeutung sei. Jetzt nachdem ich mehrere Shows gespielt habe und einige Leute wissen wer ich bin, scheinen solche Dinge wichtiger zu werden, aber das ist nichts, auf das ich mich konzentrieren möchte.

? Ein neues Album steht an. Wie sehen die Vorbereitungen dafür aus?

Einige Freunde bitten mich immer wieder, mein neues Album herauszubringen, weil sie die neuen Songs seit über einem Jahr während meiner Shows hören, aber ich arbeite nach meinem eigenen Tempo. Ich möchte nichts überstürzen. In erster Linie muss ich glücklich mit meinen Kompositionen sein bevor ich sie raus in die Welt schicke.

? Wie du bereits angedeutet hast, konsumierst du sehr viel Musik. Gibt es auch noch andere Medien (Literatur, Film) für die du dich interessierst bzw. die einen Einfluss auf dich haben?

In der Vergangenheit habe ich gesagt, dass die Szene in “Control“ als Debbie Ian`s aufgehängten Körper findet und sie hysterisch schreiend nach draußen geht und der Song “Atmosphere“ beginnt, einen großen Einfluss auf mich hatte. Es ist im Grunde nicht der Film an sich, sondern die Tatsache, dass eine wahre Geschichte, die ich die meiste Zeit meines Lebens kenne, eine Visualisierung erfahren hat. Ich denke, dass ich dazu neige, Geschichten aus dem wahren Leben zu verarbeiten: Liebeskummer, Gefühle der Ablehnung, Erwachsenwerden, Älterwerden, Reue und Teen Angst.

? Welche Musik hörst du privat?

Das hängt sehr von meiner Stimmung und der Jahreszeit ab. Seit es hier an der Ostküste Winter ist, höre ich am meisten folgende Alben: UNWOUND “Leaves Turn Inside You“, RED HOUSE PAINTERS “Songs For A Blue Guitar“, SWANS “Soundtrack For The Blind“ und PJ Harvey “Is This Desire?“

? Das letzte Jahr liegt noch nicht lang zurück. Welche Alben waren 2011 deine Lieblingsalben?

Top 2: DEAFHEAVEN “Roads To Judah“ und Chelsea Wolfe “Ἀποκάλυψις (Apokalypsis)”.

? Du bist letztes Jahr einige Male in den USA aufgetreten. Wird es auch Shows in Europa in naher Zukunft geben? Wie sieht für dich in diesem Kontext ein gelungenes Konzert aus?

Eine Performance ist gelungen, wenn alles klappt und man in der Lage ist, die Kontrolle über seine Emotionen zu verlieren, um dadurch alles herauslassen zu können. Dieses Jahr wird es auf jeden Fall kleinere Tourneen durch die USA geben. Es gibt zudem Gespräche über eine zweiwöchige Europa-Tour mit LIFE IN THE DARK, aber das ist davon abhängig, ob wir jemanden finden, der uns finanziell dabei unterstützen kann. Aber hoffentlich klappt das.

? Wie sehen deine Pläne für 2012 aus?

Mein einziges persönliches Ziel für 2012 ist es, meine Haare nicht vor 2013 schneiden zu lassen. Es wird ein Tape mit dem Titel “Quietly“ auf Tycho Magnetic Anomalies erscheinen, das vielleicht später auf einem bekannteren Label als CD mit zusätzlichen Songs herauskommen wird. Außerdem muss ich noch die Songs für ein Split-Album, was bis jetzt noch nicht angekündigt ist, fertigstellen. Wenn ich nicht zu sehr mit dem Touren und meinem Privatleben beschäftigt bin, hoffe ich, dass ich etwas Zeit finden werde, um “Desideratum“ (mein nächstes Album) aufzunehmen.

? Was bleibt noch zu sagen?

Danke!

(D.L., S.L.)

 

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