THISQUIETARMY – Resurgence (DCD/ DLP+7")

THISQUIETARMY aka Eric Quach. Ein Mann + Gitarre (hauptsächlich; + Synth, + Drummachine). Und auch noch aus Kanada. Möglicherweise für den einen oder anderen Grund genug, auch ohne hinzuhören, die Eigenständigkeit von vorn herein anzuzweifeln. Und dabei möglicherweise vergessen zu bedenken, dass die Idee und ihre Ausführung zählen und nicht allein das Handwerkszeug.

Wer THISQUIETARMY nur von Kollaborationen kennt, z.B. der „Death Valley“ mit Yellow6, der „Meridians“ mit Scott Cortez, oder der vor nicht so langer Zeit wiederveröffentlichten „Orange“ mit Aidan Baker oder der „Picture Of A Picture“, auch mit Aidan Baker, hat die eine Seite von THISQUIETARMY kennengelernt. Die, die Atmosphäre und freies Fließen in den Vordergrund stellt. Stücke entwickelt, die gerade über die lange Laufzeit ihre hypnotische Wirkung aufbauen können. Auf seinen Soloalben dagegen bevorzugt Eric Quach jedoch überraschenderweise oft ein kürzeres, fokussierteres Format. Atmosphäre galore auch hier natürlich, aber gleichzeitig im Arrangement und Aufbau fast so etwas wie Songs, nur dass diese ohne Worte, ohne Gesang bleiben. Auch in den Fällen, wenn die (soundlich durch Hall immer gern nach hinten gestellte, trotzdem präsente) Drummachine diese Strukturassoziationen noch erheblich verstärkt.

So auch auf „Resurgence“, die als opulentes 6-Panel Digipack mit Bonus-CD und Doppel-LP + 7“ erscheint… (wobei letzterer leider das allem oben gesagten wie zum Trotz 19.22 Minuten lange „The Cold Vacancy“ fehlt). Und die schon gleich mit dem zweiten Stück, „Revival“, diese spezielle Art des THISQUIETARMY „Songs“ par-excellence vorführt Über treibendem Drum-Programming ein verhaltener wie undurchdringlicher Noise-Teppich, eng gewirkt und darüber wiederkehrende Gitarrenmotive im Wechsel mit Synththemen. Durchaus mit Pop-Appeal (definitiv NICHT negativ gemeint, sondern im Sinne von schöne Melodie, die man auch nachpfeifen kann). Mich erinnert die Atmosphäre, die diese Art von Komposition bzw. Sound ausstrahlt fast eher an einige französische Vertreter aus dem Wave-Bereich Anfang der 90er wie Mary Goes Round oder Little Nemo, als an das, was THISQUIETARMY’s vorgenannte Kollaborationspartner solo treiben. Und, einmal auf dieser Fährte, scheinen auch die freieren, perkussionslosen Stücke diesen Geist zu atmen. Aber bitte nicht falsch verstehen: Das sind Assoziationen, hervorgerufen durch Details in Gestus und Sound, kein Revivalvorwurf (obwohl interessanterweise das genau so benannte Stück mit seinem zusätzlich hämmernden Bass ganz besonders in diese Richtung zu zielen scheint).

Auch auffallend: Ein paar Motive und Sounds kehren im Laufe von „Resurgence“ immer mal wieder, sorgen für eine Klammer, fassen zusammen und lassen das ganze sehr homogen wirken und das, ohne dass es irgendwann langweilig werden würde. Hut ab. Das Mixing, die Tatsache, dass auch (Analog-) Synths bisweilen die Regie gegenüber der allmächtigen Gitarre übernehmen und die punktuelle Integration von Vocals tun dazu ihr übriges.

Noch einmal zum Cover. Das Denovali Releases hervorragende Cover besitzen, dürfte bekannt (und Labelpolitik) sein (gut!); CD- + Vinylcover der „Resurgence“ sind da keine Ausnahme. Ich hätte mir aber gewünscht, dass Eric Quach, der sich selbst für das Layout verantwortlich zeichnet, darauf verzichtet hätte, die Bilder von Mandi A. Morgan auf der Front mit diesem schwarzen Punkt zu verzieren, nur um Name und Titel besser platzieren zu können. Sieht irgendwie aus wie so ein Sticker, der zusätzlich draufgepappt wurde, weil irgendwer Angst hatte, dass sonst niemand weiß, was das für eine Platte ist.

Und noch etwas zu dem Stück, das es trotz aller Formaterweiterungen nur auf die Doppel-CD geschafft hat. Die gut 19 Minuten von „The Cold Vacancy“ sind so etwas wie eine perfekte Coda: Fast 12 Minuten des extrem ruhigen Aufbaus und dann „erst“ die Verdichtung. Und zwar ohne damit die Stimmung des Stücks zu kippen oder kippen zu wollen.  Schlicht ein perfektes Album.

(N)

Format: DCD/ DLP+7"
Vertrieb: DENOVALI/ CARGO
 

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